Die liebe Jen, Herrn Ponys Kinesiologin, hat uns auch eine Pferdige Geschichte zu erzählen!
Los gehts:
Tjaja… der Hase und ich … Vorweg: der Hase heißt nicht wirklich so, aber er war eigentlich seit unserer ersten Begegnung Anfang 2010 „mein kleiner Hase“. Nicht zuletzt deshalb, weil ich seinen echten Namen zum Weglaufen finde. Aber auch, weil er ein ängstliches, unverstandenes kleines Häschen war, und ich mich immer frage: was wäre aus dem bloß geworden, wenn er von Anfang an in die richtigen Hände gekommen wäre?
Doch zurück zum Anfang: Anfang 2010 verletzte sich meine damalige Stute wiederholt, so dass die Turniersaison gelaufen war, bevor sie begonnen hatte. Einer meiner Trainer war gleichzeitig stetig bemüht seine Verkaufspferde zu deutlich überhöhten Preisen an die eigenen Schüler zu verkaufen. Mir wollte er auch eines andrehen… nur war das Pferd damals schon 7, weitestgehend ungeritten, vollkommen überdreht, und bei allen Lehrlingen und Kaufinteressenten nicht gerade beliebt wegen chronischer Durchgeherei. So stand er zu dem Zeitpunkt an dem ich ihn zum ersten Mal sah eigentlich schon 3,5 Jahre in der Box. Wenn er Glück hatte durfte er mal eine Runde in der Führmaschine drehen, wenn er Pech hatte versuchte sich hier und dort ein neuer Lehrling auf seinem Rücken zu halten. Koppel gab’s nicht, außerdem bestand ja immer die Hoffnung, dass doch einer kommt und ihn mitnimmt.
Ein halbes Jahr später begann ich als Urlaubsvertretung in dem Stall zu arbeiten und hatte diverse Verkaufspferde auf meiner Liste, die ich mitreiten sollte. Unter anderem auch den Hasen. Als ich das erste Mal aufstieg war mir zugegebenermaßen nicht ganz wohl… zurecht! Ein paar hörbare Schritte vor der Hallentür waren ausreichend, um das Geschoss unter mir derart in Rage zu versetzen, dass ich unkontrolliert gute 40 Runden durch die Halle schoss! Ich dachte „hmmmm, aber galoppieren kann der!“ Danach hab ich das Pferd erstmal 2 Wochen lang jeden Tag jeden Tag auf die Koppel gestellt, was sich logischerweise sehr positiv auf unsere Zusammenarbeit ausgewirkt hat – wenngleich das nicht heißt, dass deswegen auf einmal alles einfach war.
Ein weiteres halbes Jahr später, ergab es sich, dass ich einen sehr schönen Platz für meine Stute gefunden hatte. So stand ich auf einmal ohne Pferd da. Und ich hatte den festen Vorsatz: Wenn du noch mal ein Pferd kaufst, dann fährst du direkt zum Bauern nach Holstein, holst dir einen netten 3jährigen mit dickem Hals, günstig, einen der brav ist und nix anschaut… Tja, ähm… 2 Tage darauf habe ich den Hasen gekauft. Der war schlaksig, durchgeknallt, schon 8, definitiv NICHT brav, war noch nie im Leben im Gelände gewesen, unter dem Reiter nie gesprungen,… und eine Woche nach dem ich ihn zu mir geholt habe, hat er mir zum ersten Mal bei einem Sturz ein paar Knochen gebrochen. Das war das letzte Mal, dass ich auf einem Pferd sitzend eine sms geschrieben hab! Man lernt ja immer dazu…
Ein paar Monate später fuhren wir zum ersten Geländetraining. Ich wollte schließlich ein Buschpferd… Es war von Anfang an klar, DAS ist sein Leben! Er konnte galoppieren, sprang gigantisch gut (und im Gelände erstaunlicherweise furchtlos), war meistens etwas schwer zu regulieren, aber er hatte seine Aufgabe gefunden! Er genoss sein neues Leben, freute sich daran endlich raus zu kommen, direkten Kontakt zu Artgenossen zu haben, und Menschen zu treffen, denen er nicht egal war. Er war immer schwierig, aber gleichzeitig so wahnsinnig dankbar.
Heute, 2 Jahre später, ist es noch lange nicht so, wie ich’s mir erträumt hab. Mein Hase ist immer noch gänzlich gegen die Dressurarbeit (das ist ja langweilig, immer im Kreis zu laufen, da muss man den Reiter schon mal mit spontanen Zwischensprints aufwecken), findet blaue Wassergräben in Parcours völlig überflüssig und entwickelt in diesem Zusammenhang schier unglaubliche Fluchtstrategien, und wie immer im Leben geht mir das alles viel zu langsam voran….
Er sagt mir „hey, es wäre doch langweilig, wenn wir jetzt schon alles erreicht hätten“ - und wie immer hat er natürlich recht! ;-)
Manchmal sitze ich neben ihm in der Box, sehe ihm zu wie er in Seelenruhe sein Heu kaut und selbst wenn es gerade mal wieder Ärger am Wassergraben gab, dann muss ich ihm absolut hoch anrechnen was er - im Hinblick auf seine Vorgeschichte und die mangelnde Erfahrung – alles für mich macht!
13 Jahre Schule, 5 Jahre Studium, Bereiterlehre und etliche Berufsjahre haben mich weitaus weniger über das Leben gelehrt als dieses Pferd! Danke dafür!!!
Liebe Grüße, eure Jen




Das ist wirklich eine tolle Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann. (:
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